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 Betreff des Beitrags: Leichtathletik-WM 2009
Ungelesener BeitragVerfasst: Mittwoch 22. Juli 2009, 10:44 
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Hoffen auf den EndspurtViele Unternehmen setzen auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaft – noch sind die Erwartungen gedämpft.

Alles zum Thema:Leichtathletik-WM Für Berliner Unternehmer bleibt die Leichtathletik-Weltmeisterschaft so spannend wie ein Rennen auf der Zielgeraden – denn noch wissen zum Beispiel die Hoteliers kaum, wie voll ihre Häuser ab Mitte August sein werden. „Es gibt noch keine exakten Zahlen, denn der Trend geht zu kurzfristigen Buchungen“, sagt Christian Tänzler, Sprecher der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). Die Hotels dürften aber deutlich besser belegt sein als üblich: „Eigentlich sind die Sommerferien keine klassische Städtereisezeit, der August gehört nicht zu den buchungsstärksten Perioden.“

Zuversichtlich ist auch der Hotel- und Gaststättenverband Berlin. Noch sei es „ein bisschen ruhig“, doch das könne sich schnell ändern, sagt der Verbandspräsident und Generaldirektor des Hotels Intercontinental, Willy Weiland. „So war es auch bei der Modemesse Bread and Butter: Noch drei Wochen vorher herrschte eine fast tödliche Ruhe, und dann waren einige Häuser fast ausverkauft.“ Das Interconti wird als Hauptquartier des internationalen Leichtathletikverbandes IAAF gut belegt sein. „Ausgebucht sind wir aber nicht“, sagt Weiland.

Insgesamt neun Hotels fungieren als Unterkunft für 2500 Sportler und Funktionäre sowie 3500 Medienvertreter (siehe Kasten). Dazu gehört das Estrel in Neukölln, das mit 1125 Zimmern das größte deutsche Hotel ist. „Bei uns wohnen 1200 Athleten aus mehr als 200 Nationen, wir sind fast ausgebucht“, sagt Sprecherin Mihaela Djuranovic. Unvermietete Zimmer können aber nicht mit Touristen gefüllt werden, weil die WM-Ausrichter das Hotel komplett beanspruchen – es wird dort auch Räume für Dopingkontrollen und Physiotherapie, Konferenzsäle, ein Lager und eine Catering-Zentrale geben. „Wir sind dann ein Hochsicherheitstrakt, jeder Besucher wird überprüft“, kündigt Djuranovic an.

Alle anderen Tagungen und die Show „Stars in Concert“ fallen im Estrel aus. Das schade aber nichts, findet die Sprecherin: „Im August ist sowieso weniger los. Wichtig sind die Bilder, die um die Welt gehen.“ Zudem hoffe man, dass Athleten das Haus weiter empfehlen; noch sei es weltweit nicht besonders bekannt.

Während die Tourismuswerber der BTM international seit mehr als einem Jahr auf die WM hinweisen, hat die Marketingkampagne des Organisationskomitees in Berlin und Brandenburg gerade erst richtig begonnen – vor allem auf knapp 700 Reklameflächen der Firma Ströer. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg sieht kein Problem: Die Vermarkter „sind eine professionelle Truppe, die weiß, was wann zu tun ist“, sagt Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen.

Über den „Runden Tisch Tourismus“ war der Verband in die Planungen eingebunden, alle Händler wurden zum Schaufensterwettbewerb aufgerufen. Mit Freude sah Busch-Petersen nun, dass zum Beispiel die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ihre Schaufenster passend zur WM gestaltet hat. Verkaufsoffene Sonntage wird es nicht geben, Busch-Petersen will „die Leute nicht sonntags aus dem Stadion holen“. Es genüge, dass werktags rund um die Uhr verkauft werden darf.

Für das Olympiastadion stehen 550 000 Tickets zur Verfügung, bisher sind rund 250 000 verkauft. „Ein Großteil der Besucher kommt aus der Region“, sagt Daniel Fiebig, Experte für Wirtschaftspolitik und Sport bei der IHK Berlin. „Der Tourismusbereich wird deshalb nicht so stark profitieren wie bei der Fußball-WM 2006.“ In einigen Hotels hatte die Fußball-Weltmeisterschaft jedoch die Erwartungen enttäuscht. Die Zimmerbelegung war oft sogar niedriger als üblich. Dies lag laut BTM-Sprecher Tänzler am Zeitraum: Damals seien fast alle Kongresse ausgefallen, von denen sonst viele im Juni und Juli stattfinden. Im ruhigeren August sei der Rückgang bei Tagungen weniger spürbar.

„Bei der Fußball-WM haben sich viele verzockt“, bestätigt Jens Reichel, Direktor des Best Western Queens Hotel Berlin City West. Auch die jetzige WM habe die Buchungszahlen bei ihm bisher „nicht signifikant“ erhöht. Reichel fordert mehr bundesweite Werbung wie „Spots vor der Sportschau“.

Bei den TV-Übertragungen ist die Firma Topvision Telekommunikation gut im Geschäft: Laut Walter Johanssen, WM-Teamchef von ARD und ZDF, sorgt das Berliner Unternehmen für die Fernsehtechnik im Stadion.

Profitieren wollen auch Sponsoren aus der Stadt, darunter „Berliner Pilsner“ und der Energieversorger Vattenfall. Ein Spezialist für exklusive Rahmenveranstaltungen bei großen Sportereignissen ist die Agentur „Top Sportmarketing“: Sie lädt in den „Champions Club“ im International Club Berlin in Charlottenburg ein. Dort können Unternehmer Sportler treffen oder mit anderen Unternehmern Geschäfte anbahnen. Bis zu 3000 Gäste werden insgesamt erwartet, Eintrittskarten gibt es zusammen mit Stadiontickets für 230 bis 290 Euro. Die WM-Kampagne sei zu spät gestartet, glaubt Agenturchef Martin Seeber. Lange sei er bei der Werbung für den Champions Club sogar bei manchen Großfirmen auf Ahnungslosigkeit gestoßen: „Die wussten von nichts.“


Zuletzt geändert von Claus am Sonntag 25. Oktober 2009, 07:56, insgesamt 1-mal geändert.

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Verfasst: Mittwoch 22. Juli 2009, 10:44 




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 Betreff des Beitrags: Re: Leichtathletik-WM
Ungelesener BeitragVerfasst: Sonntag 16. August 2009, 19:53 
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WM-FINANZIERUNG
"Freut euch und rückt die Kohle raus"



Die Leichtathletik-WM in Berlin soll ein großes Fest werden - doch wer zahlt am Ende die Zeche? Der Ticketverkauf läuft schleppend, private Sponsoren lassen sich nur schwer finden. Größter Geldgeber ist der Staat, der direkt und indirekt das Sportereignis finanziert.

Eine Leichtathletik-WM ist, verglichen mit Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften, eine extrem günstige Angelegenheit. Die offiziellen Zuwendungen und verdeckten Subventionen aus öffentlichen Mitteln belaufen sich auf wenige Dutzend Millionen Euro. Dagegen benötigen Olympia oder eine Fußball-WM Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur.

Das Land Berlin, so wird stets behauptet, beteiligt sich mit 20 Millionen Euro am 45-Millionen-Etat des Organisationskomitees BOC. In den vergangenen Jahren musste der Zuschuss jedoch schon um einige hunderttausend Euro erhöht werden, wie jüngst die "tageszeitung" vorrechnete und über die "öffentliche Privatsache" spottete. Außerdem zahlte Berlin 5,6 Millionen für Arbeiten am Olympiastadion. Da sind es schon rund 26 Millionen. Hinzu kommen die Sicherheitskosten, wie etwa Polizeieinsätze, dazu gibt es traditionell keine Angaben. Das ist bei Olympia oder Fußball-Weltmeisterschaften nicht anders.

Rigide Vermarktungsregeln

Zu den offiziellen Subventionen summieren sich verkappte Zuwendungen, etwa über Firmen, die sich zum Teil in öffentlichem Besitz befinden und als Sponsoren aktiv werden: Bei der Leichtathletik-WM sind das zum Beispiel die Deutsche Post, die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom. Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland hatte sich ein ähnliches Bild ergeben: Damals waren vier von sechs sogenannten "nationalen Förderern" teilstaatliche Unternehmen.

Das Interesse privater Unternehmen an derartigen Sportveranstaltungen ist allerdings begrenzt. Das hat weniger mit der Wirtschaftskrise zu tun, als vielmehr mit den rigiden Vermarktungsregeln der internationalen Föderationen, die nationalen Partnern wenig Entfaltungsmöglichkeiten lassen. Die weltweiten Sponsoren erwerben für hohe Millionensummen Exklusivrechte, sie werden natürlich bevorzugt und besetzen auch die jeweiligen Produktkategorien. Wer zahlt, bestimmt.

"Be happy and pay the deficit"

Sponsoren der zweiten oder dritten Ebene, die im nationalen und lokalen Bereich agieren, haben bei Großveranstaltungen kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Das ist im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und im Fußball-Weltverband (Fifa) nicht anders als bei den Leichtathleten (IAAF).

Die IAAF finanziert sich über ihre Sponsoren- und Fernsehverträge. Sie beteiligt sich aber nicht an den Organisationskosten einer Weltmeisterschaft, weder in Berlin noch bei den nächsten Titelkämpfen 2011 in Daegu (Südkorea) und 2013 in Moskau. Das war schon 1993 in Stuttgart so, bei jener WM, die mit 585.000 Besuchern noch den Zuschauerrekord hält.

Unvergessen ist eine Aussage des damaligen IAAF-Präsidenten Primo Nebiolo (1999 verstorben), die wunderbar die Mechanismen dieses Geschäfts illustriert. Als sich die schwäbischen Organisatoren um einen Zuschuss bemühten, krächzte Nebiolo: "Be happy and pay the deficit." Freut euch und rückt die Kohle raus. Wer diese Regel nicht kennt, hat das Geschäft nicht verstanden.

Der deutsche Verbandschef Clemens Prokop kennt natürlich die Regeln. Zahlt und freut euch? Prokop formuliert dazu seit Jahren Sätze wie diese: "Das ist keine Besonderheit der IAAF, sondern Standard aller internationalen Sportorganisationen. Solange sich Städte bei der Bewerbung gegenseitig fast überbieten, entspricht es der Logik, dass auch internationale Sportorganisationen wirtschaftlichen Nutzen aus der Veranstaltung ziehen."

Prokops langjähriger Gegenspieler und DLV-Ehrenpräsident Helmut Digel ist in der IAAF im Marketingbereich tätig. Nach seinen Angaben bewegt sich der Anteil an staatlichen Zuschüssen für Leichtathletik-Weltmeisterschaften zwischen rund 15 Prozent (Helsinki 2005) und 68 Prozent (Athen 1997). Berlin liegt gemäß Planung irgendwo dazwischen, bei rund 40 Prozent. Im Vorfeld der Berliner Titelkämpfe spricht Digel gern davon, die WM sei gut vermarktet.

Interessant und auch wieder typisch für derlei Unternehmungen ist die rechtliche Konstruktion der WM-Organisation. Es gibt ein Organisationskomitee (LOC) und die private Berlin Organising Committee GmbH (BOC) mit den Geschäftsführern Heinrich Clausen, einem erfahrenen Leichtathletik-Organisator, und Frank Hensel, der gleichzeitig als DLV-Generalsekretär agiert. Präsidenten des LOC sind Prokop und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Prokop fungiert gleichzeitig als Vorsitzender des Aufsichtsrats. So bleibt alles in einer Familie: Organisation und Kontrolle.

330.000 Tickets sind verkauft

Zum WM-Triumvirat gehört noch der Sportvermarkter Michael Mronz. Der bislang nicht als Leichtathletik-Experte in Erscheinung getretene PR-Mann dachte sich Werbeaktionen aus wie eine sogenannte "Roadshow" durch die deutsche Provinz oder Termine in deutschen Botschaften, etwa in Washington.

Mronz wird seit Monaten nicht müde, jede noch so lahme Aktion des BOC in einen Erfolg umzudichten. So beobachtet er beispielsweise seit Ewigkeiten einen "riesigen Run" auf WM-Tickets. Mehr als eine halbe Million Eintrittskarten will das BOC verkaufen. Täglich werden neue Wasserstandsmeldungen herausgegeben. 330.000 Tickets wurden bisher verkauft.

Wer versucht, Mronz' Behauptungen an der Realität zu messen, wird schnell fündig. Jüngst urteilte der 42-Jährige: "Die Berliner sind es eben gewohnt, nahe am tatsächlichen Termin zu kaufen. Das war bei der Fußball-WM nicht anders."

Tatsächlich, einige Millionen Deutsche dürften sich daran erinnern, verhielt es sich so: Bei der Fußball-WM wurden die Tickets lange vorher in einer unvergleichlichen Lotterie verlost - und gelangten gar nicht erst auf den freien Markt.

BOC-Mann Hensel ficht so etwas nicht an. Nach seiner Zählung war das Stadion am ersten Tag gut gefüllt - 67.648 Besucher wurden offiziell gemeldet. "Morgens waren es rund 25.000, abends etwa 42.000", rechnet er SPIEGEL ONLINE vor. Den Vorwurf, dass die Zählweise zumindest ungewöhnlich sei, lässt Hensel nicht gelten. "Es geht hier nicht um PR-Tricks."

Dass Sponsoren Tickets zum Dumpingpreis von fünf Euro anbieten, findet er ebenfalls unproblematisch. "Hier werden keine Tickets verschleudert", sagt Hensel, "es gibt einige Kontingente, die wir an unsere Wirtschaftspartner gegeben haben. Was die Firmen im Rahmen von Kundenbindungsmaßnahmen machen, ist ihre Freiheit."


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 Betreff des Beitrags: Re: Leichtathletik-WM
Ungelesener BeitragVerfasst: Montag 17. August 2009, 18:28 
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Deutlich leere Ränge

Offiziell ist das Stadion ausverkauft: Die WM-Organisatoren kaschieren fehlende Zuschauer im Olympiastadion mit Rechenspielen und geheimen Aktionen.

Noch am Abend des 100-Meter-Finales der Männer, exakt um 22:29 Uhr, kam die Botschaft via Presseverteiler: "74.413 Besucher am Sonntag im Olympiastadion Berlin". 74.413 - was für eine stolze Zahl. Besonders stolz sogar, wenn man bedenkt, dass bei den Fußballspielen des Hauptstadtklubs Hertha BSC (von denen selten 3500 Pressevertreter aus aller Welt mit eigenem Pult auf den Rängen berichten) nur 74.244 Menschen hineinpassen ins Olympiastadion.

Und besonders stolz auch, wenn man sich die vielen leeren Sitzreihen in Erinnerung ruft, die am Sonntagabend wieder auf den Tribünen zu sehen waren, trotz des Rekordrennens Bolt gegen Gay gegen Powell. Womöglich also: zu stolz um wahr zu sein? Die Presseerklärung des Berliner WM-Organisationskomitees (BOC) erklärt die irritierende Rechnung dann im Fließtext: "Die Morgenveranstaltung besuchten 23300 Zuschauer, die Nachmittagsveranstaltung 51.113."

Es gehört offenbar dazu, dass man bei einem Weltereignis wie der Leichtathletik-WM, immerhin dem größten Sportevent des Jahres, kaum noch zwischen Schein und Sein unterscheiden kann, und das nicht nur beim Millionengeschäft mit Zeiten und Weiten. Sondern auch beim Geschäft der Vermarkter. Ein "an neun Tagen ausverkauftes Olympiastadion" war seit Monaten als Ziel ausgegeben worden vom BOC und dem zuständigen Marketing-Fachmann Michael Mronz, das wären neun Mal 60.000 abgesetzte Eintrittskarten gewesen.

Dass dieses Ziel deutlich verfehlt wird, erfährt man nun aber allenfalls in Zwischentönen, etwa wenn Mronz einräumt, "Montag, Dienstag und Mittwoch" würden "jetzt noch mal hart" - ab Donnerstag sei der Ticketverkauf dann aber "ein Selbstläufer". Offiziell verkündet werden hingegen Zahlen, die wie Superlative klingen. Auch die "67.846 Besucher" vom Eröffnungstag, zustande gekommen aus der Addition der 25.300 Zuschauer am Vormittag und der 42.546 am Abend.

Michael Mronz sagt zu den Rechenübungen: "Das ist üblich. Der Weltverband IAAF will von uns ja vergleichbare Zahlen." Und tatsächlich: Auch der Publikumszuspruch bei den vorangegangenen Weltmeisterschaften, etwa 2007 in Osaka, 2005 in Helsinki und 2003 in Paris, wurde auf diese Weise ermittelt: Vormittags-Besucher plus Abend-Besucher gleich Zuschauerzahl. Mit dem Unterschied allerdings, dass in Berlin für die bisherigen Wettkampftage nur Ganztages-Tickets ausgegeben wurden, Vormittags- und Nachmittagsbesucher also identisch gewesen sein müssen.

Vor diesem Hintergrund grenzt eine Zahl von über 74.000 "Besuchern" schon an ein Vertuschungsmanöver: In Wahrheit waren von den gezählten 51.113 Zuschauern am Sonntag schlicht 23300 auch morgens schon da - und wurden zum Dank gleich mal doppelt gezählt. Der Rest hat sich die Vor- und Zwischenkämpfe geschenkt. Doch auch Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), will die kommunizierten Zahlen nicht als Desinformation der Öffentlichkeit bezeichnen. Sondern als "Formalien" - die IAAF "zählt eben so".

Überdies legt Prokop Wert darauf, "dass wir bisher mit der Stimmung im Stadion voll zufrieden sind", trotz der enttäuschten Erwartungen beim Ticketverkauf, und trotz einiger leerer Flächen, die womöglich in den Fernsehübertragungen keinen guten Eindruck machten. Die wirtschaftlichen Vorgaben des BOC würden auch bei einer Auslastung wie am Sonntag erreicht. Und was "die atmosphärische Komponente" betrifft, berichtet Prokop, würden sich nicht nur die Athleten, sondern auch die Funktionäre der IAAF und des Olympia-Zirkels IOC ihm gegenüber "durchweg begeistert über das Publikum äußern". Das Stadion sei zwar nicht voll - "aber doch voll genug für große Emotionen".

Doch um welchen Preis? Zumindest um jenen, dass sich die Verantwortlichen winden müssen, um formal zwar die Wahrheit zu sagen ("wir verschenken oder verramschen keine Karten"), das gesamte Ausmaß der Schwierigkeiten aber dennoch zu vertuschen. Jedenfalls kursieren in Berlin längst zahlreiche Geschichten von erbosten Ticketkäufern, die während der Wettkämpfe feststellen, dass ihre Sitznachbarn für Plätze der gleichen Kategorie nicht annähernd das Gleiche bezahlt haben.

Weil etwa der WM-Sponsor Deutsche Post unter dem Brandenburger Tor gleich zwei Karten zum Preis von fünf Euro abgab, die als Spende an die Aktion "Ein Herz für Kinder" gehen. Und das nicht etwa nur für traditionell verkaufsschwache Tage, wie der BOC-Geschäftsführer Frank Hensel in der Berliner Zeitung versicherte. Sondern für den Sonntag - also das 100-Meter-Finale der Männer. Am Samstag wiederum konnte ein Fiasko offenbar nur vermieden werden, weil ein Unternehmen, das als WM-Partner nicht in Erscheinung tritt, tausende Menschen mit Bussen in die Hauptstadt karrte - offenbar nicht ohne sanften Druck aus der Politik.

Wenn selbst ein Ereignis wie das groß angekündigte Duell Bolt gegen Gay zum Zuschussgeschäft wird, sagt das viel aus über den Stellenwert der Leichtathletik als Stadionereignis. Und über mutmaßliche Fehleinschätzungen ihrer Vermarkter. 50 bis 70 Euro kosten die durchschnittlichen Tickets, Schüler und Studenten erhalten bloß - wenig familienfreundliche - 20 Prozent Rabatt. Offenbar versucht sich die Leichtathletik in Berlin gerade teurer zu verkaufen, als sie noch ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Leichtathletik-WM
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 18. August 2009, 10:44 
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Leere Ränge

Der sportliche Glanz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass unter Vermarktungsaspekten diese Weltmeisterschaft nicht optimal anläuft. „Das Wetter ist super, die Stars sind hier, die Leute müssen nicht arbeiten – wenn das Stadion jetzt nicht ausverkauft ist, wann dann?“, fragt sich ein Leichtathletik-Fan kopfschüttelnd. Er selbst hat eine Woche Urlaub genommen, um unentgeltlich als einer von 3 500 Volontären ganz nahe dabei zu sein.

Helmut Digel, Marketingchef des Leichtathletik-Weltverbands IAAF, sieht den Grund für die leeren Ränge in den stattlichen Ticketpreisen. Die bescheren dem Veranstalter zwar hohe Erlöse, halten aber viele Interessierte vom Kommen ab. „Es ist schade, dass so viele Plätze unbesetzt blieben. Aber die Gefahr war allen klar“, sagt Digel.

Der Kölner Sportvermarkter Michael Mronz hat wenig Lust, auf Ursachensuche zu gehen. Schließlich hat er als einer von drei Mitgliedern des Steuerungsausschusses im Berliner Organisationskomitee (BOC) für Begeisterung zu sorgen. Sein Unternehmen MM Promotion ist für die Bereiche Promotion, Vermarktung und Ticketing verantwortlich.

„Ich glaube nicht, dass wir die Preise für die Eintrittskarten zu hoch angesetzt haben“, sagt Mronz. „Mich überrascht die Diskussion.“ In die Entscheidung seien auch die Leichtathletik-Funktionäre Frank Hensel und Heinrich Clausen sowie der BOC-Aufsichtsrat um Clemens Prokop beteiligt gewesen. Zwischen 30 und 75 Euro kostet das Gros der Karten, wobei diese oft nur für einen halben Tag gelten. Mronz steht zu diesem „sensiblen Preisgefüge“: „Niemand schreibt uns Mails, dass es zu teuer ist.“

Doch viele Berliner bleiben einfach weg, anstatt Mails zu schreiben. So blickten Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnungsfeier auf halbleere Ränge. Die vielen grauen Sitzschalen dürften auch Ehrengast Jacques Rogge, Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) aufgefallen sein. Clemens Prokop befand unbeirrt im Gespräch mit der „Berliner Morgenpost“, „dass eine erneute Bewerbung Berlins um Olympische Spiele absolut sinnvoll wäre“.

Schon die Heim-WM ist nicht ganz billig für die Stadt: Berlin stemmt mit einer Bürgschaft 20 Mio. des 44-Millionen-Euro-Etats. Rund neun Mio. Euro stammen nach Angaben des BOC aus der Privatwirtschaft, also vorwiegend von den fünf nationalen Sponsoren Vattenfall, Deutsche Post, Lufthansa, Deutsche Telekom und Deutsche Bahn. Die 40 000 Euro teuren Logen sind zu 70 Prozent ausgelastet.

Knapp 15 Mio. Euro erhofft man sich aus dem Ticketverkauf. Etwa 375 000 bis 400 000 Karten müssten laut Mronz verkauft werden, damit diese Rechnung aufgeht. Die im Vorverkauf abgesetzten 330 000 Stück seien daher „eine Superzahl“, sagt der Vermarkter. „Abgerechnet wird zum Schluss.“

Dass es bei den Promotion-Bemühungen der Sponsoren knirscht, fällt auch flüchtigen Betrachtern auf. Im Berliner Hauptbahnhof dominiert Eiscreme- und Musical-Werbung, ein prominenter Hinweis auf das gesponserte Großevent fehlt. Und eine gut gemeinte PR-Aktion der Post führte obendrein am Auftaktwochenende zu Unmut bei manchem Berliner: Als der Werbepartner ein vorab gekauftes Ticket-Kontingent für nur fünf Euro pro Stück unters Volk brachte, murrten die Frühbucher, die zum Vollpreis zugegriffen hatten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Leichtathletik-WM
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 18. August 2009, 16:20 
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Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin sind bereits 350 Blut-Kontrollen und 100 Tests auf das verbotene Wachstumshormon vorgenommen worden.

Dies teilte die IAAF am Montag mit. Diese Doping-Trainingskontrollen wurden in den Tagen vor der WM veranlasst. Das IAAF-Testprogramm begann am 11. August. Dazu gehörten zudem 140 Urinproben, die von Athleten schon genommen wurden.
Ein positiver Doping-Test wurde bislang nicht gemeldet. Analysiert werden die Proben in den akkreditierten Labors in Köln und Kreischa.

Insgesamt sollen bis zum WM-Ende am kommenden Sonntag 1000 Doping-Tests durchgeführt werden, davon 600 Blutproben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Leichtathletik-WM
Ungelesener BeitragVerfasst: Dienstag 25. August 2009, 17:35 
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Quelle: http://www.netzeitung.de/sport/wm2009/n ... 41539.html

Leichtathletik-WM 2009 +++ Das Fest ist vorüber:
Dabei sein war alles

Sportler und Publikum haben sich in den Tagen von Berlin gegenseitig getragen. Nicht durch die große Show, sondern durch dieses Miteinander wurde die Leichtathletik-WM
zu einem unvergesslichen Ereignis, meint Sven-Ole Knuth.


Mittwoch, 19. August 2009, kurz vor halb elf Uhr abends im Berliner Olympiastadion: Die letzte WM-Entscheidung des Tages ist mit dem umjubelten Titelgewinn von Robert Harting im Diskuswurf zu Ende gegangen, nur noch der 400 Meter-Lauf der Zehnkämpfer steht auf dem Programm. Das an diesem Abend sowieso nur zu gut der Hälfte gefüllte Stadion leert sich zunehmend. Doch einige bleiben da, es sind vielleicht noch 15.000 Menschen.

Als die Mehrkämpfer schließlich auf die Bahn kommen, erheben sich die Zuschauer und tragen die Athleten in jedem der fünf Läufe mit ihrem Applaus um die Stadionrunde. Die Erschöpfung ist den Sportler am Ende eines langen, harten Tages ins Gesicht geschrieben, doch in die Müdigkeit mischt sich noch etwas anderes: Erstaunen, Freude, Dankbarkeit. Der Deutsche Pascal Behrenbruch soll dem Stadionsprecher noch ein Interview geben. Alles, was er in diesem Moment zu sagen hat, ist: «Ihr seid so geil!»

«Ihr seid so geil»

Diese WM-Randnotiz steht stellvertretend für die Atmosphäre, die neun Tage lang rund um die blaue Laufbahn des Olympiastadions herrschte und die 12. Titelkämpfe der Leichtathleten zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Publikum und Sportler gingen eine emotionale Verbindung ein, die beide Seiten zu Höchstleistungen anstachelte.

Vor allem die deutschen Athleten, von Kugelstoßer Ralf Bartels am ersten bis zu Speerwerfer Mark Frank am letzten Tag, gaben in Vorläufen, Halbfinals oder Endkämpfen alles, was sie hatten. Davon zeugen nicht nur die neun Medaillen. Und auch wenn nicht immer alles gut ging, wie bei Franka Dietzsch oder Sebastian Bayer, so war doch allen anzumerken, dass die WM im eigenen Land etwas Besonderes, nicht selten sogar das Größte in ihrer sportlichen Laufbahn war. Das Wörtchen «geil» war, bezogen auf die Stimmung im Stadion, das wohl meistgebrauchte der DLV-Starter in Berlin.

Großen Anteil daran hatten die Menschen auf den Rängen, die nicht Zuschauer, sondern Akteure waren. Kenntnisreich, aufmerksam und vor allem fair begleiteten sie jeden Athleten durch den Wettkampf. Und im Gegenzug heizten die Erfolge der Lokalmatadoren die Bereitschaft, sich die Hände wund zu klatschen, von Tag zu Tag mehr an. Die Bandbreite der Darbietungen reichte von atemloser Stille bei den entscheidenden Sprüngen von Ariane Friedrich bis hin zu ohrenbetäubendem Lärm beim 4x100-Meter-Rennen der Frauen. Und die Unterstützung beschränkte sich nicht nur auf die DLV-Athleten. Den Beweis dafür traten die Fans nicht nur beim Hochsprung-Finale mit Blanka Vlasic, sondern an jedem einzelnen Tag.

Absurde Diskussion um leere Ränge

Angesichts dessen erscheint die Diskussion um die vielen leeren Plätze im Stadion, die in den ersten WM-Tagen das beherrschende Thema war und teils mit sonderbarer Häme geführt wurde, absurd. Natürlich sehen volle Ränge besser aus als verwaiste Sitzschalen und die Kritik an den hohen Eintrittspreisen ist absolut gerechtfertigt. Doch für alle, die im Stadion dabei sein konnten, ob als Fan oder als Sportler, war das unerheblich, denn das Erlebnis war – der Pathos ist mit Bedacht gewählt – erhebend.

Die Offiziellen des Organisationskomitees und des Leichtathletik-Weltverbandes feiern die WM 2009 als riesigen Erfolg – der reibungslosen Organisation und der perfekten Show des Usain Bolt sei Dank. Kritiker verdammen die Wettkämpfe als Ausdruck einer neuen «Hemmungslosigkeit» in Sachen Doping und überbordender Effekthascherei, die den «wahren Sport» in den Hintergrund drängt. Das alles ist sicherlich zutreffend – mehr oder weniger. Doch wer sich unvoreingenommen auf die neun Tage in Berlin-Charlottenburg eingelassen hat, der kommt nicht umhin zu sagen: Danke schön, das war grandios.

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